Fragen und Antworten zum Windparkbau

Die Entwicklung eines Windpark-Projekts von der Idee bis zum Bau dauert mehrere Jahre. Viele Akteure sind daran beteiligt oder von den Planungen und der Realisierung eines Windparks betroffen – von der Kommune, auf deren Gemarkung der Windpark errichtet werden soll über die Flächenbesitzer, auf deren Grundstücke die Anlagen stehen, bis hin zu den Anwohnern rund um ein Windpark. Dabei stellen sich viele Fragen. Eine Auswahl hiervon haben wir aufgegriffen und nachfolgend beantwortet. Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung, sollten Sie weitere Fragen haben oder mehr über unser Unternehmen wissen möchten.

Kommunen

Die Kommunen spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Windenergieprojekten. Ohne die Kooperation von Bürgermeister und Gemeindeverwaltung kann kein Windpark entstehen. Umso wichtiger ist es, dass alle Seiten zu den wichtigsten Fragen gut informiert sind und so die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit geschaffen wird.

Welche Vorteile hat unsere Kommune durch den Windpark?

Der Windparkbetrieb ist eine unternehmerische Tätigkeit. Es fällt deshalb Gewerbesteuer an, die zum Großteil in die Kasse der jeweiligen Kommune fließt. Falls gewünscht, kann auch eine Beteiligung der Kommune und/oder z. B. der örtlichen Energiegenossenschaft an dem Windpark vereinbart werden, so dass die Gemeinde auch direkt von der Stromvergütung partizipiert. Zudem profitieren Grundstückseigentümer von Pachtzahlungen des Windparks.

Nicht zuletzt sichert ein Windpark auch Arbeitsplätze in der Region: In der Regel sind es örtliche Unternehmen, die Wege ausbauen, Fundamente betonieren und Erdkabel verlegen. Das Auftragsvolumen für die Infrastruktur einer einzelnen Windmühle beträgt abhängig von Typ und Standort mehrere hunderttausend Euro. Bei mehreren Windparks in einer Region entstehen regionale Stützpunkte für Wartungstechniker.

Ist durch den Bürgerwindpark ein Rückgang des Tourismus zu befürchten?

Alle bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Windenergieanlagen keinen negativen Einfluss auf den Tourismus haben. Sogar in Bundesländern mit ungleich mehr Windenergieanlagen als in Baden-Württemberg. So hat die aus Reiseanalyse, Gästebefragung und Gruppendiskussionen bestehende Studie „Einflussanalyse Erneuerbare Energien und Tourismus in Schleswig-Holstein“ im Jahr 2014 gezeigt, dass sich 94 Prozent der Touristen in Schleswig-Holstein nicht an den dort vorhandenen Anlagen stören. Befragt, aus welchen Gründen Sie von einer weiteren Reise nach Schleswig-Holstein Abstand nehmen würden, nennen Urlauber in der vom Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (NIT) erstellten Untersuchung in abnehmender Wichtigkeit diese Gründe: „Lieber woanders hin“, Wetter, Preis-Leistung, Ortsbild, Verkehrssituation, Qualität Unterkunft, Gastfreundlichkeit und Qualität der Gastronomie. Erst an achter Stelle wird als Ablehnungsgrund das Landschaftsbild genannt. Die Studie wurde gemeinschaftlich beauftragt, u.a. vom Bundesverband Windenergie, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland und dem Bauernverband Schleswig-Holstein.

Weitere Informationen zum Thema Tourismus und Windenergie finden Sie auch in einem „Faktenpapier Windenergie in Hessen: Landschaftsbild und Tourismus “ des hessischen Wirtschaftsministeriums, das 2017 veröffentlicht wurde und Ihnen hier zum Download zur Verfügung steht.

Lohnt sich die Windenergienutzung überhaupt an Standorten in Süddeutschland?

Ja, sowohl aus ökologischer, als auch aus energie- und betriebswirtschaftlicher Sicht lohnt sich die Windenergienutzung in Süddeutschland. Denn selbst an windschwächeren Standorten kann eine einzelne Windenergieanlage sieben bis neun Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – also immer noch deutlich mehr, als eine vor rund zehn Jahren an einem Küstenstandort errichtete Anlage. Möglich wird dies durch die stark weiterentwickelte Anlagentechnik mit großen Rotordurchmessern und Nabenhöhen. Das etwas schwächere Windangebot wird dadurch ausgeglichen, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz für Anlagen an relativ windschwachen Standorten höhere Einspeisevergütungen vorsieht.
Auch volkswirtschaftlich ist es geboten, die Windenergie nicht alleine im windstarken Norden voranzutreiben, weil dies einen sehr umfangreichen und kostspieligen Ausbau von Hochspannungsleitungen erfordert.

Flächenbesitzer

Sie besitzen ein Grundstück, das sich für die Nutzung von Windkraft eignet und möchten es verpachten? Nachfolgend finden Sie einige Antworten auf einige wichtige Fragen. Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung, wenn Sie weitere Fragen haben und über die Nutzung Ihres Grundstücks für den Bau Windenergieanlagen sprechen wollen.

Warum ist eine Vertragsunterzeichnung in einem frühen Planungsstadium notwendig?

Projektentwicklung ist finanziell sehr aufwendig. Insbesondere die Erstellung der Fachgutachten und die Windmessung verursachen hohe Kosten. Diese Investitionen kann DGE Wind nur tragen, wenn vertraglich gesichert ist, dass der Grundstückseigentümer das Projekt auch mit DGE Wind umsetzen wird. Der Pachtvertrag ist zudem Voraussetzung dafür, dass DGE Wind als Repräsentant der Flächenbesitzer das Projekt mit Behörden diskutieren kann. Zur Absicherung der Grundstücksbesitzer wird ein Kündigungsrecht vereinbart, falls die Anlagen nicht wie geplant errichtet werden können.

Für welchen Zeitraum wird die Fläche gepachtet?

Die für den Windpark nötigen Flächen werden in der Regel für 25 Jahre ab Inbetriebnahme der Anlagen gepachtet. Die Flächenbesitzer räumen DGE Wind zudem einen angemessenen Zeitraum ein, um davor die erforderlichen Gutachten zu erstellen und die Genehmigung einzuholen.

Nach 25 Jahren endet der Pachtvertrag automatisch. Es besteht jedoch die Möglichkeit, den Vertrag zu verlängern, wenn beide Vertragspartner – Grundstückeigentümer und Windparkbetreiber – das möchten.

Kommen auf mich als Flächenbesitzer Kosten zu?

Nein. Sämtliche Kosten, die im Rahmen der Projektentwicklung und Umsetzung (z. B. für Grundbucheintragungen) entstehen, trägt DGE Wind. Das gilt auch für den Fall, dass das Projekt nicht umsetzbar sein sollte.

Wie lange dauert es, bis die Windenergieanlage auf meinem Grundstück gebaut wird?

Von der Projektidee bis zur betriebsbereiten Windenergieanlage vergehen in der Regel drei bis fünf Jahre. Die meiste Zeit wird für die Vorarbeiten benötigt (Gutachten, Windmessungen, Genehmigung etc.). Die eigentliche Bauphase benötigt dagegen nur wenige Monate.

Wieviel Fläche benötigt eine Windenergieanlage?

Der Flächenbedarf variiert je nach Anlagentyp. Eine Anlage mit einer Gesamthöhe (also vom Boden bis zur Rotorspitze) von 200 Metern beispielsweise benötigt eine Fläche von rund 500 Quadratmetern (qm). Hinzu kommen in der Regel rund 2.000 qm für den Kranstellplatz. Diese etwa 2.500 qm (ca. ein Drittel eines Fußballfeldes) bleiben für die gesamte Betriebsphase des Windparks reserviert. Weitere rund 2.500 Quadratmeter werden für Aufbau benötigt. Diese Fläche kann nach Inbetriebnahme des Windparks aber teilweise rekultiviert und wie zuvor genutzt werden.

Wer kommt für Schäden auf meinem Grundstück auf?

DGE Wind haftet für alle Schäden, die im Zusammenhang mit Errichtung, Betrieb und Rückbau der Windenergieanlage entstehen. Wir schließen dafür die entsprechenden Haftpflichtversicherungen ab. Sollte es trotz aller Vorsicht zu Forst- oder Flurschäden kommen, entschädigt DGE Wind den Grundstückseigentümer oder -pächter gemäß der geltenden Sätze der Land- und Forstwirtschaftskammern oder -verbänden.

Kann ich mich auf eine vereinbarungsgemäße Pachtzahlung verlassen?

Der Nutzungsvertrag sichert die Rechte der Grundstückseigentümer sehr gut ab. Bei Zahlungsverzug können Sie den Vertrag kündigen. Falls der Betreiber zahlungsunfähig werden sollte, hat die finanzierende Bank aufgrund der laufenden Kredite ein großes Interesse am Fortbestand des Windparks. Die Bank würde deshalb in den Vertrag eintreten und die Pachtzahlung fortführen.

Wer kommt für den Unterhalt der neuen Wege auf?

Die Verkehrssicherungs- und Unterhaltungspflicht hinsichtlich der Anlagen und neu angelegten Wege trägt der Betreiber des Windparks. Sie und Ihre Pächter können die von DGE Wind neu angelegten Wege kostenfrei nutzen.

Wie wird der Rückbau der Windenergieanlage sichergestellt?

Nach Ende des Betriebszeitraums wird die Windenergieanlage inklusive Fundament vollständig entfernt. Das Grundstück wird dabei weitgehend in den ursprünglichen Zustand versetzt. Für den Rückbau fordert die Genehmigungsbehörde vor Baubeginn, dass eine Bürgschaft in Höhe der voraussichtlichen Rückbaukosten hinterlegt wird. Dadurch ist der Rückbau der Anlage auch finanziell abgesichert.

Anwohner

Als Anwohner eines zukünftigen Windparks haben Sie ein berechtigtes Interesse daran, frühzeitig und umfasend über das Projekt und dessen Auswirkungen auf Ihren Wohnort informiert zu werden. Nachfolgend finden Sie Antworten auf einige wichtige Fragen, die uns häufig im Zusammenhang mit neuen Windparks gestellt werden. Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung, wenn Sie mehr über unsere Erfahrung mit der Nutzung der Windenergie oder ein neues Windenergieprojekt in Ihrer Region wissen möchten.

Geht von Windenergieanlagen Infraschall aus und wenn ja, ist dieser gesundheitsschädlich?

Infraschall kann aus natürlichen (z. B. Gewitter) oder künstlichen Quellen (z. B. leistungsstarke Boxen oder LKW) stammen. Er entsteht bei praktisch allen Tätigkeiten und Vorgängen, die Geräusche erzeugen. Bei industriellen Anlagen sind an manchen Arbeitsplätzen hohe Infraschallpegel möglich. Ansonsten ist der Pegel so niedrig, dass Infraschall nicht wahrnehmbar ist.
Die Bayerische Landesanstalt für Umwelt ist der Frage nachgegangen, ob der von Windenergieanlagen ausgehende Infraschall gesundheitsschädlich sein könnte. Das Landesamt kam zu dem Schluss, dass die von Windkraftanlagen erzeugten Infraschallpegel in der Umgebung deutlich unterhalb der Hör- und Wahrnehmungsgrenzen liegen und nach heutigem Stand der Wissenschaft beim Menschen keine schädlichen Infraschallwirkungen hervorrufen können. Hier finden Sie den Bericht des Landesamtes.

Im Februar 2016 veröffentlichte auch die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg einen Bericht  zu Infraschall von Windkraftanlagen – und kam zu gleichen Ergebnissen wie die Experten aus Bayern: Demnach lagen die Infraschallpegel in der Umgebung von Windkraftanlagen bei den Messungen selbst im Nahbereich (bei Abständen zwischen 120 und 300 Metern) deutlich unterhalb der menschlichen Hör- bzw. Wahrnehmungsschwelle. Ab etwa 700 Metern Abstand zur Windenergieanlage ist der von der Anlage erzeugte Infraschall praktisch nicht mehr nachweisbar. In der Regel sind die Windenergieanlagen mindestens 700 – 1000 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. Bei diesem großen Abstand – das zeigen die oben genannten Studien deutlich – ist der von den Anlagen erzeugte Infraschall weder messbar noch von Menschen wahrnehmbar.

Weitere Informationen zum Thema Infraschall finden Sie auch in einem umfassenden Positionspapier des Umweltbundesamtes, das Ihnen hier zum Download zur Verfügung steht.

Haben Bürger Einfluss auf die Auswahl von Windparkstandorten und das Genehmigungsverfahren?

Sowohl bei Aufstellung des Regionalplans als auch bei der Erarbeitung des Flächennutzungsplans durch die Gemeinde können sich Bürger einbringen. Ebenso später im Genehmigungsverfahren. Ein im Rahmen des Forschungsprojekts „Dezent Zivil“ entstandenes Video erklärt gut verständlich den Prozess der Standortfindung und die Einflussmöglichkeiten der Bürgerschaft.

Ist der von Windenergieanlagen verursachte Schattenwurf reguliert?

Die Rotoren einer Windenergieanlage erzeugen bei Sonnenschein und gleichzeitigem Wind einen bewegten Schatten, der auf naheliegende Häuser fallen kann. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens müssen Gutachten über die Dauer solcher Schattenwürfe vorgelegt werden.

Dabei ist der Schatten einer Windenergieanlage, der auf ein Wohngebäude fallen darf, gesetzlich eindeutig begrenzt: demnach darf  der Schatten einer sich drehenden Windenergieanlage nicht mehr als 30 Minuten pro Tag bzw. nicht mehr als 30 Stunden im ganzen Jahr auf ein Wohngebäude fallen. Diese Werte sind theoretische Größen, die sich unter der Annahme ergeben, dass der Wind ständig weht, die Anlage ohne Unterlass in Betrieb ist und die Sonne den ganzen Tag über scheint. Weil diese Bedingungen so nie auftreten, ist die tatsächliche Schattendauer immer deutlich kürzer als im Gutachten angegeben. So ist bei Wohngebäuden, die laut Gutachten 30 Stunden im Jahr einem Schattenwurf ausgesetzt sind, davon auszugehen, dass es in der Realität lediglich sieben bis acht Stunden sind. Ergibt das Gutachten, dass die zulässige Höchstdauer überschritten wird, muss die Anlage abgestellt werden. Wie beschrieben, ist hierfür nicht die tatsächliche Dauer ausschlaggebend, sondern die theoretisch berechnete Dauer.

Ein Video des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit zeigt, wie der Schattenwurf einer Windenergieanlage entsteht und zu berechnen ist.

Weitere ausführliche Informationen zum Schattenwurf finden Sie auch in diesem Dokument des Bayerischen Landesamts für Umwelt.